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ASCO - Gynäkologische Tumoren: Auch kontroverse Themen diskutiert

  

Fragen zu Diagnose und Behandlung gynäkologischer Tumoren wurden auf der diesjährigen ASCO-Jahrestagung kontrovers diskutiert. Themen waren u.a. der Stellenwert der Magnetresonanztomografie (MRT) als diagnostisches Verfahren oder die Kardiotoxizität unter Anthrazyklin-Behandlung sowie der Einfluss neuer biologischer Substanzen auf das kardiale Risiko der Patientinnen.

Interessante Ergebnisse zum Stellenwert der MRT kamen aus Deutschland. Die Bonner Studiengruppe um Christiane Kuhl konnte zeigen, dass sich hoch gradige DCIS (duktales ­Carcinoma in situ)-Karzinome mit der MRT zuverlässiger erkennen lassen als mit der Mammografie.

DCIS sind präinvasive Läsionen, die mit einem erhöhten Risiko für ein invasives Mammakarzinom einhergehen. Das gilt speziell bei hochgradigen Läsionen. An der Bonner Universitätsklinik wurde bei knapp 6.000 Frauen im Rahmen der Früherkennung eine Mammografie oder eine MRT durchgeführt. Bei 167 Frauen wurde ein DCIS diagnostiziert. Es zeigte sich, dass das MRT speziell die hochgradigen DCIS besser identifizierte als die Mammografie. Während etwa die Hälfte aller DCIS-Läsionen sowohl mammografisch als auch mit MRT sichtbar waren, ließen sich 40% nur mit der MRT identifizieren, von denen 78% hochgradige Läsionen waren. Umgekehrt lag der Prozentsatz der DCIS-Läsionen, die nur mittels Mammografie zu erkennen waren, mit 8% sehr niedrig; in all diesen Fällen handelte es sich um niedriggradige Veränderungen.

Möglicherweise wird die MRT als diagnostische Früherkennungsmaßnahme an Bedeutung gewinnen. Eine spezielle Empfehlung zugunsten der MRT für den klinischen Alltag wollte Kuhl noch nicht abgegeben.

Kardiotoxizität der Anthrazykline ± biologische Substanzen

Welches kardiotoxische Risiko Anthrazyklin-haltige Therapien haben und wie groß der Einfluss von Biologcis auf dieses Risiko ist, wird derzeit kontrovers diskutiert. Diese Frage ist besonders für Patientinnen mit HER2-positivem frühem Mammakarzinom wichtig. Ihre Heilungschance wird durch die zusätzliche Gabe von Trastuzumab zur Anthrazyklin-/Taxan-haltigen Chemotherapie um bis zu 50% erhöht. Phase-III-Studienergebnisse haben dies wiederholt gezeigt.

Die 5-Jahres-Ergebnisse der N9831/B-31-Studie, die Edith Perez, Jacksonville/USA präsentierte bestätigen dies. Die Patientinnen (mit HER2-positivem frühem Brustkrebs) hatten Doxorubicin/Cyclophosphamid gefolgt von Paclitaxel ± Trastuzumab (AC-T±H) erhalten. Die zusätzliche Gabe von Trastuzumab halbierte das Rezidivrisiko auch nach fünf Jahren noch hoch signifikant (HR 0,48; p < 0,00001). Die Ergebnisse zeigen aber auch ein erhöhtes kardiotoxisches Risiko unter der AC-TH-Therapie, das allerdings – so die positive Nachricht – im Zeitverlauf nicht weiter kumuliert war.

Laut Priya Rastogi, Pittsburgh/USA, die die Ergebnisse zur Kardiotoxizität vorstellte, blieb das Risiko für ein kongestives Herzversagen im AC-TH-Arm konstant bei etwa 4%. Bei der 3-Jahres-Auswertung im Jahr 2005 hatten 4,1% der Patientinnen eine kongestive Herzinsuffizienz aufgewiesen im Vergleich zu 3,8% in der aktuellen Auswertung. Im Kontrollarm ohne Trastuzumab (AC-P) lag die Inzidenz allerdings – wie schon 2005 – deutlich niedriger (<1%). Als mögliche Risikofaktoren für ein erhöhtes kardiales Risiko unter Trastuzumab identifizierten die Autoren Frauen >50 Jahre, eine antihypertensive Medikation und eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion von 50–54% vor Therapiebeginn mit Trastuzumab.

Taxan-haltige Regime ohne Anthrazyklin verstärkt validieren

Das kardiotoxische Risiko einer Anthra­zyklin-/Taxan-haltigen Chemotherapie plus Trastuzumab dürfe nicht unterschätzt werden, erläuterte Sandra Swain, Washington/USA, im Rahmen einer ­Educational Session. Mit jeder Anthrazyklin-Dosis werden am Herzmuskel Schäden gesetzt, die fatalerweise nicht nur irreversibel sind, sondern zunächst auch subklinisch verlaufen. Da Trastuzumab die Reparaturmechanismen am Herzen schwächt, verstärkt es die Kardio­toxizität der Anthrazykline. Das Problem entsteht laut Swain aber nicht primär durch Trastuzumab, sondern durch die Anthrazykline. Bei der Therapieentscheidung muss laut Swain zunehmend darüber nachgedacht werden, welche Patientin mit HER2-positivem Mammakarzinom zusätzlich zu Trastuzumab eine Anthrazyklin-haltige Chemotherapie erhalten darf. Eine wichtige Alternative sieht Swain daher in dem Anthrazyklin-freien, aber Trastuzumab-haltigen TCH-Regime (Docetaxel, Carboplatin, Trastuzumab), das in der BCIRG 006-Studie kein erhöhtes kardiales Risiko zeigte.

Herztransplantation nach Anthrazyklin-Behandlung

Die Kardiologin Sharon Hunt von der Stanford Universität, Palo Alto/USA, bestätigte die Ausführungen von Swain. Etwa 5% der Herztransplantationen in den USA gehen laut Hunt auf eine Anthrazyklin-haltige Chemotherapie zurück. Bei 2.500 Herztransplantationen pro Jahr sind das in den USA jedes Jahr etwa 125 Patienten. Dies mag absolut gesehen nicht viel sein, ist aber die Spitze des Eisberges, betonte Hunt. Sie plädierte dafür, dass Onkologen und Kardiologen bei der Behandlung onkologischer Patienten eng zusammenarbeiten.

Ein neuer Ansatz: hypofraktionierte Bestrahlung

Die lokale postoperative Nachbestrahlung von Patientinnen mit frühem, nicht metastasiertem Brustkrebs mit höherer Einzeldosis und gleichzeitig niedrigerer Gesamtdosis ist ebenso wirksam wie das bisherigen Vorgehen, belastet aber das umgebende Gewebe weniger. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten Phase-III-Studie aus Großbritannien.

In der Regel beträgt die adjuvante Gesamtstrahlendosis 50 Gy, die auf 25 Einzeldosen (Fraktionen) aufgeteilt wird. Untersuchungen hatten darauf hingedeutet, dass Patientinnen auf die adjuvante Strahlentherapie besser ansprechen, wenn sie eine etwas höhere Einzeldosis erhalten, erläuterte John Dewar, Dundee/UK. Darauf basierte die Vermutung, dass sich durch höhere Einzeldosen die Gesamtstrahlendosis reduzieren und die Behandlungsdauer verkürzen lassen, ohne die Prognose unter dieser sog. hypofraktionierten Bestrahlung zu verschlechtern. Die Ergebnisse der START-Studie (Standardisation of Breast Radiotherapy) bestätigen dies bei 4.451 R0-resezierten Patientinnen (T1–3, N0–1, M0). Im Anschluss an die Primäroperation war die betroffene Brust lokal – hypofraktioniert oder nach Standard – bestrahlt worden. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von über fünf Jahren lag die Inzidenz lokaler Rezidive bei 3–5%, ohne dass sich statistisch signifikante Unterschiede zeigten.

Ein Vorteil der hypofraktionierten Bestrahlung war die bessere Verträglichkeit. Das gesunde Brustgewebe wurde weniger in Mitleidenschaft gezogen, erläuterte Dewar. Ödeme, Teleangiektasien und Brustverhärtungen waren seltener.

Ob die hypofraktionierte Strahlentherapie zukünftig das bislang übliche Vorgehen ersetzen wird, muss laut Dewar noch offen bleiben, da die Rezidivrate insgesamt sehr niedrig war. Die hypo­fraktionierte Bestrahlung sei aber ein Konzept für Frauen, die die herkömmliche Bestrahlung nicht ausreichend gut vertragen. bp

Bericht vom 43rd Annual Meeting of the American Society of Clinical Oncology vom 1.–5.6.2007 in Chicago, Illinois, USA. [Im Focus Onkologie 2007; 10(7-8l): 46]

 
mk, BSMO, 16. Oktober 2007


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