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27. Deutscher Krebskongress in Berlin - NSCLC: Molekulare Ansätze zeigen Perspektiven auf
Mit rund 260.000 Neuerkrankungen pro Jahr und 230.000 Todesfällen pro Jahr in der EU gehört das Lungenkarzinom zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Die Prüfung neuer molekularer Medikamente und Therapiekombinationen sowie verbesserte multimodale Ansätze, sind Schwerpunkte der aktuellen Forschung.
Wir können eindeutig feststellen, dass Bewegung in die Therapie des NSCLC gekommen ist – und das gilt für nahezu alle Stadien“, sagte Michael Thomas, Heidelberg. So wurden die Therapiestandards für die frühen Tumorstadien T1 und T2 in den vergangenen Jahren aktualisiert. Studien, wie die der Untersuchung der Canada Clinical Trials Group um Winton et al. [NEJM 2005; 352: 2589–97], haben gezeigt, dass auch in diesen frühen Stadien eine Cisplatin-basierte Chemotherapie in neoadjuvanten und adjuvanten Konzepten eine Verbesserung der Behandlungsergebnisse und des Überlebens bewirkt. Weitere, diese Erfahrungen bestätigende Studien werden erwartet.
Multimodale Ansätze im fortgeschrittenen Stadium Beim lokal fortgeschrittenen Stadium III des NSCLC ist es sinnvoll, nach der simultanen Radio-Chemotherapie eine Konsolidierungstherapie vorzunehmen. Hinter dem Konsolidierungskonzept verbirgt sich die Hoffnung, dass auch mögliche Mikrometastasen vernichtet werden und sich dadurch die Überlebenszeiten erhöhen, so Michael Flentje, Würzburg. Bestätigung erfährt das Konzept durch die Untersuchung von Lara et al. [IASLC 2005]: Dort konnte gezeigt werden, dass sich die 5-Jahres-Überlebensraten im Rahmen der SWOG 9019 Studie (Chemotherapie mit Cisplatin plus Etoposid) auf 15% steigern ließen. Noch wesentlich besser schnitt die SWOG 9504 Studie ab, bei der nach der simultanen Radio-Chemotherapie drei Zyklen Docetaxel appliziert wurden. Hier wurden ein medianes Überleben von 26 Monaten und ein 5-Jahres-Überleben von 29% erreicht. In Deutschland läuft momentan eine eigene Studie zur Konsolidierungstherapie, deren bisherige Ergebnisse ebenfalls in Richtung der SWG 9504 Studie deuten.
„Targeted Therapies“ erzielen erste Erfolge Mit Chemotherapien wurde in den letzten Jahren laut Martin Wolf, Kassel, ein therapeutisches Plateau erreicht. Um dieses zu überwinden, setzt er auf molekulare Therapien, die gezielt eine ganze Reihe von molekularen Zielgenen und Signalketten der Tumorzelle bzw. der Tumorblutgefäße attackieren. In der BR.21 Studie konnte für den Tyrosinkinaseinhibitor des Epidermal-Growth-Factor-Receptor (EGFR) Erlotinib eine signifikante Verlängerung der Überlebens und eine Verbesserung der 1-Jahres-Überlebensrate von 21 auf 31% nachgewiesen werden, was letztendlich zur Zulassung von Erlotinib für die Second- und Third-line-Therapie des NSCLC führte. Eine Überprüfung in früheren Stadien findet momentan in einem großangelegten Studienprogramm statt. Der Vascular-Epidermal-Growth-Factor-Receptor(VEGFR)-Inhibitor Bevacizumab konnte dagegen in der ECOG 4599-Studie schon in der First-line-Therapie mit Überlebenszeitverlängerung überzeugen. Weitere Substanzen wie der EGFR-Inhibitor Cetuximab sowie der Tyrosinkinaseinhibitor ZD6476 sind laut Wolf in der klinischen Prüfung. Weiterhin von Interesse sind Konzepte der Proteasom-Inhibierung mit Bortezomib sowie Antisense-Strategien durch Oligonukleotide. „Diese neuen Therapiekonzepte mit molekularen Substanzen werden in verschiedenen Settings sowie Tumorstadien in einer Vielzahl von Studien untersucht, wobei auch Deutschland an mehreren dieser Studien teilnimmt“, berichtete Wolf.
Synthetisches Retinoid entäuscht erneut Einen weiteren Ansatz verfolgt die Hemmung des Retinoid-X-Rezeptors beim NSCLC durch das synthetische Retinoid Bexaroten. Eine internationale Phase-III-Studie, die den Stellenwert von Bexaroten in Kombination mit Cisplatin/Vinorelbin (SPIRIT I) überprüfte, blieb hinsichtlich Überleben und progressionsfreien Überlebens enttäuschend. In Konsistenz dazu konnte durch die kombinierte Gabe von Bexaroten/Carboplatin/Paclitaxel (SPIRIT 2-Studie) ebenfalls kein Überlebensvorteil erzielt werden, wie Martin Reck, Großhansdorf, berichtete. Ein medianes Überleben von 9,2 vs. 8,5 Monate bei über 600 Patienten mit einem NSCLC im Stadium IIIB oder IV ist laut Reck unbefriedigend und kann keinen Effekt des Bexaroten nachweisen. Allerdings zeigten Subgruppenanalysen, dass Patienten mit Hypertriglyzeridämie unter Bexaroten nicht nur eine charakteristische Nebenwirkung erlitten, sondern auch einen Überlebensvorteil aufwiesen. „Dieser Zusammenhang sollte in zukünftigen Studien weiter untersucht werden“, so Reck abschließend. br
Bericht vom 27. Deutschen Krebskongress, Berlin, 22.–26. März 2006. [Im Focus Onkologie 2006; 9(6): 55]
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mk, BSMO, 08. Juli 2006
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