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Acute Leukemias XII: Strategien gegen akute Leukämien

Eine allogene Stammzelltransplantation ist für viele Leukämiepatienten die einzige Hoffnung auf eine Heilung. Wenn kein HLA-identisches Familienmitglied zur Verfügung steht, gibt es mehrere Alternativen, so Hans-Jochem Kolb, München: Ein HLA-gematchter nicht verwandter Donor, Nabelschnurblut oder ein HLA-haploidentischer Familienspender. In den ersten beiden Fällen ist es oft schwierig bzw. unmöglich, Lymphozyten zu erhalten, die für die Graft-versus-Leukämie-Reaktion von Bedeutung sind.

Um bei der haploidentischen Transplantation, bei der der Spender nur in einem Allel seiner HLA-Gene mit dem Empfänger übereinstimmen muss, Toleranz gegenüber dem Transplantat zu erzeugen, wurden in Kolbs Abteilung in München-Großhadern in einem speziellen Protokoll zunächst unmodifiziertes Knochenmark übertragen und sechs Tage später mit G-CSF mobilisierte periphere Stammzellen, aus denen CD6-positive Zellen entfernt worden waren. So haben die Forscher die Spende von allen CD4-positiven Lymphozyten befreit, und es blieb eine Fraktion von CD6-negativen, aber CD8-positiven Zellen, die allogene Immunreaktionen supprimieren können.

Von den 63 Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) und myelodysplatischem Syndrom (MDS) litten 54 an fortgeschrittener Erkrankung, während neun sich in einem frühen Stadium einer Hochrisiko-AML befanden (erste oder zweite Komplettremission) oder eine Zytopenie von einer Induktionstherapie oder aber ein noch unbehandeltes MDS hatten (Frühstadium). Es wurde in keinem Fall eine Transplantat-Abstoßung beobachtet, obwohl die Ganzkörperbestrahlung als Teil der Konditionierungstherapie auf eine nicht myeloablative Dosis von 4 Gy reduziert worden war.

Die Unterscheidung zwischen frühem und fortgeschrittenem Stadium war entscheidend für die Prognose: Von den 54 Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung lebten nach fünf Jahren lediglich noch vier (8%), während es bei den neun im Frühstadium behandelten sechs waren. Haupttodesursache waren Krankheitsrezidive (in 24 Fällen). Akute Graft-versus-Host-Erkrankungen (aGvHD) waren nicht schwerer als in vergleichbaren Kollektiven, die von HLA-identischen Geschwister-Spendern transplantiert worden waren; chronische GvHD war sogar seltener als in der HLA-identischen Situation.

Trotzdem erhebliche Mengen an T-Zellen mit dem unmodifizierten Knochenmark und auch mit den CD6-depletierten peripheren Stammzellen transplantiert wurden, traten bei einem Teil der Patienten Virusinfektionen und EBV-assoziierte lymhoproliferative Erkrankungen auf. In Zukunft, so Kolb, könnte die Transfusion spezifischer, selektierter T-Zellen aus dem Spenderblut eine Kontrolle dieser Komplikationen gestatten und damit die Methode der haploidentischen Transplantation von Familienspender für mehr Patienten auch in früheren Krankheitsstadien attraktiv machen.

Bericht vom internationalen Symposium „Acute Leukemias XII. Biology and Treatment Strategies“ in München vom 16.–20. Februar 2008. [Im Focus Onkologie 2008; 11(5): 46ff]


rl, bsmo, 11. Juli 2008

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