 |
 |
|
 |
 |

|
Sie sind hier:
Kongresse
>
Kongressberichte
> Internationaler Kopf-Hals-Tumorkongress: Der Erhalt der physiologischen Funktionen ist die Herausforderung
|
 |
Internationaler Kopf-Hals-Tumorkongress: Der Erhalt der physiologischen Funktionen ist die Herausforderung
Neue Methoden in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren standen im Mittelpunkt des Kongresses „Statements on Head and Neck Cancer“ in Frankfurt am Main. Besondere Beachtung fanden vor allem Aspekte, die zur Verbesserung der Lebensqualität der Tumorpatienten beitragen können.
Mit 13.000 Neuerkrankungen jährlich gehören Kopf-Hals-Tumoren, vorrangig Plattenepithelkarzinome (SCCHN), inzwischen zu den zehn häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland. Leider werden sie meist erst im fortgeschrittenen Stadium, d.h. UICC III oder IV, diagnostiziert. Die Therapie stützt sich auf die drei klassischen auch kombiniert eingesetzten Säulen Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, erläuterte Rainald Knecht, Frankfurt/Main.
Grundsätzlich werden operable Tumoren zunächst chirurgisch versorgt und dann bestrahlt. Um die Ausgangsbasis für einen Organerhalt zu verbessern, kann eine neoadjuvante Chemotherapie von Nutzen sein, an die sich – abhängig von der Remission – auch eine Radio- oder Chemotherapie anschließen kann, die erneut durch eine Radio und/oder Chemotherapie ergänzt werden kann. Inoperable Tumoren werden zunächst bestrahlt und dann eventuell chemotherapiert. Auch wenn bei der Resektion angestrebt wird, den Tumor und seine Lymphabflusswege im Gesunden zu entfernen, rezidivieren Kopf-Hals-Tumoren auch bei lokoregionär erfolgreicher Resektion häufig außerhalb des Operationsfeldes.
Nach chirurgischen, meist durch eine lokale Strahlentherapie ergänzten Maßnahmen, liegt das krankheitsfreie 5-Jahres-Überleben für Patienten mit Larynxkarzinomen in fortgeschrittenen Stadien bei 50 bis 60%. Deutlich schlechter ist die Prognose bei Hypopharynxkarzinomen mit 20 bis 30%.
Lebensqualität ist wichtig Umso wichtiger ist es, bei der Therapieentscheidung die Lebensqualität des Patienten zu berücksichtigen, die untrennbar mit dem Larynxorgan- und Funktionserhalt verbunden ist. Zentrale Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der Kehlkopf, der zusammen mit dem ihm benachbarten Hypopharynx die drei wesentlichen Funktionen Atmung, Schluckakt und Stimmbildung garantiert. Will man den physiologischen Ablauf dieser Funktionen erhalten, so ist die Therapie von Tumoren in diesem Bereich angesichts ihrer Komplexität eine große Herausforderung, erklärte Knecht. Sie ist nur realisierbar durch eine Kombination der Chirurgie mit der Strahlentherapie, der Chemotherapie und zunehmend auch der interventionellen Radiologie.
Der Anteil der Kehlkopf erhaltenden Operationen an der Gesamtzahl der Kehlkopfoperationen hat sich innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte versiebenfacht. Entsprechend zahlreich waren die großen multizentrischen und multinationalen Studien, die in Europa und den USA zum Erhalt des Kehlkopfes im letzten Jahrzehnt durchgeführt wurden [Veterans Affair. N Engl J Med 1991; 324: 1685–90; Lefebvre et al. J Natl Cancer Inst 1996; 88: 890–9; Forastiere A et al. N Engl J Med 2003; 349: 2091–8]. Da sie belegen konnten, dass organerhaltende und nicht-chirurgische Therapiestrategien gegenüber einer primär chirurgischen Therapie keinen Überlebensnachteil bringen, wurde die Entwicklung organ-erhaltender Verfahren vorangetrieben.
Optimierung durch neue Substanzen und Kombinationen Besteht die klassische Chemotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren seit fast 40 Jahren aus der Kombination von Cisplatin und 5-Fluorouracil (5-FU), so wurde die Induktionschemotherapie erstmals im Jahr 2000 durch Zugabe der Taxane (z.B. Docetaxel) erweitert. Seit 2004 wird die Dreierkombination Docetaxel, Cisplatin und 5-FU u.a. auch in Frankfurt sehr erfolgreich eingesetzt und in Studien konnten Ansprechraten von über 90% bei Primärtumoren [Posner MR et al. J Clin Oncol 2001; 19: 1096–104], bzw. 43% bei Rezidiven [Baghi M et al. Anticancer Res 2006; 26: 585–90] erreicht werden.
Berücksichtigung finden immer häufiger auch neue zielgerichtet angreifende Therapeutika („biologic agents“). Rationale für den therapeutischen Einsatz von monoklonalen Antikörpern gegen den EGF-Rezeptor bei Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich ist eine hohe EGFR-Expressionrate und eine damit korrelierte schlechte Prognose der Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, erläuterte Jan Vermorken, Antwerpen, Belgien, einer der führenden Experten (s. Grafik 2). Zum Einsatz von Cetuximab bei SCCHN z.B. liegen inzwischen zahlreiche klinische Studien in unterschiedlichen therapeutischen Settings vor.
So wurde in einer randomisierten Phase-III-Studie mit 424 Patienten mit lokal fortgeschrittenem SCCHN die alleinige Strahlentherapie gegen eine Radiotherapie mit gleichzeitiger Cetuximab-Gabe geprüft. Durch Zugabe des Antikörpers konnte die mittlere Überlebenszeit von 28 auf 54 Monate nahezu verdoppelt werden. Statistisch signifikant verbesserte Cetuximab auch die lokoregionäre Kontrollrate nach einem Jahr von 69 vs. 59%, bzw. nach zwei Jahren von 56 vs. 48%. Zusätzlich profitierten die Patienten durch das äußerst akzeptable Sicherheitsprofil von Cetuximab [Bonner J et al. Proc Am Soc Clin Onc 2004; 23: Abstr. 5507]. Der typische akneartige Hautausschlag – er korreliert im übrigen in seiner Ausprägung mit dem Überleben – ist gut behandelbar.
Auch zum Einsatz von Cetuximab in der Erstlinien-Therapie des SCCHN liegen die Ergebnisse einer großen randomisierten Studie vor: Darin wurde bei neu diagnostiziertem metastasiertem oder nach Operation bzw. Radiotherapie lokoregionär rezidiviertem SCCHN eine Kombinationstherapie aus Cetuximab und Cisplatin mit Cisplatin/Plazebo verglichen [Burtness B et al. Clin Cancer Res 2003; 9 (Suppl): Abstr. 77].
Die auf die Ansprechrate gepowerte Studie belegte mit einem Ansprechen von 26% im Kombinationsarm gegenüber 10% in der Plazebogruppe einen signifikanten Vorteil für die Kombinationstherapie mit dem Antikörper. Um das tatsächliche Potenzial der Cetuximab-Therapie zu prüfen, schlug Vermorken klinische Studien mit verschiedenen Settings vor, darunter Chemoradiotherapie vs. EGFR-Inhibitor plus Radiotherapie, Chemoradiotherapie plus/minus EGFR-Inhibitor, Induktionschemotherapie plus/minus EGFR-Inhibitor. Interessante Aussagen könnten auch durch Studien zu Interaktionen zwischen EGFR-Inhibitoren und anderen zytotoxischen Regimen und schließlich durch Vergleiche zwischen EGFR-Inhibitoren und anderen Biologicals gewonnen werden. Ay
Bericht vom 2. Internationalen Kopf-Hals-Tumor Kongress „Statements on Head and Neck Cancer” in Frankfurt am Main, 27.–28. Januar 2006. [Im Focus Onkologie 2005; 9(4): 48ff]
|
mk, BSMO, 17. Mai 2006
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich 
|
 |
 |


30. Deutscher Krebskongress
24.02.2012 - Berlin Merck Serono SCCHN Satellitensymposium Erfolgreiche Therapie von Kopf-Hals-Tumoren: interdisziplinär - evidenzbasiert - multimodal
30. Deutscher Krebskongress
23.02.2012 - Berlin Merck Serono mCRC Satellitensymposium Personalisierte Erstlinientherapie des mCRC mit Cetuximab

|
 |