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San Antonio Breast Cancer Symposium: Neue Präventions- und Therapiestrategien

  

Fast 8.000 Teilnehmer aus 86 Ländern waren im Dezember 2006 zum 29. San Antonio Breast Cancer Symposium angereist. Diskutiert wurden unter anderem die Ergebnisse großer randomisierter Studien zur Therapieoptimierung beim Mammakarzinom.


Muss der Stellenwert der Anthrazykline in der adjuvanten Therapie des frühen – noch nicht metastasierten – HER2-positiven Mammakarzinoms neu überdacht werden? Für Furore sorgten die aktuellen Ergebnisse der BCIRG006-Studie, die dies nahelegen, wie Dennis Slamon, Los Angeles/USA, erläuterte. Im Fokus der Studie stand der Stellenwert der Trastuzumab-haltigen Chemotherapie mit und ohne Anthrazyklin. In der dreiarmigen Phase-III-Studie war die Anthrazyklin-freie Kombinationstherapie mit Docetaxel, Carboplatin, Trastuzumab (TCH) genauso wirksam wie die Anthrazyklin-haltige Kombination Doxorubicin/Cyclophosphamid gefolgt von Docetaxel/Trastuzumab (AC-TH). Das TCH-Regime war jedoch deutlich besser verträglich. Beide Regime erreichten im Vergleich zum Kontrollarm mit AC-T ohne Trastuzumab eine signifikante Reduktion des Rezidivrisikos.

Über 3.000 Patientinnen mit HER2-positivem frühem Mammakarzinom waren randomisiert worden. Die aktuelle Auswertung basiert auf einer medianen Nachbeobachtungszeit von drei Jahren. Das relative Rezidivrisiko lag im AC-TH-Arm um 39% (p < 0,001) und im TCH-Arm um 33% (p = 0,0003) niedriger (s. Grafik 1, S. 60). Nach vier Jahren lebten noch 92% (AC-TH) bzw. 91% (TCH) der Patientinnen in den beiden Trastuzumab-haltigen Therapiearmen; im Kontrollarm ohne Trastuzumab waren es 86%. Die Kardiotoxizität war im TCH-Arm nicht höher als im Kontrollarm. Die Anzahl der Patientinnen mit kongestivem Herzversagen lag um den Faktor 5 niedriger als im AC-TH-Arm (4 vs. 20 Fälle; p = 0,0015). Asymptomatische Verschlechterungen der Herzfunktion waren um etwa die Hälfte reduziert im Vergleich zum AC-TH-Arm (p < 0,0001). – Laut Slamon hat das TCH-Regime ohne Anthrazyklin einen deutlich optimierten therapeutischen Index, weshalb er in dem TCH-Regime eine wichtige Therapie für Patientinnen mit HER2-positivem frühem Mammakarzinom mit und ohne Lymphknotenbefall sieht [Abstract #52].

Dosisdichte Chemotherapie bei ausgeprägtem Lymphknotenbefall
Für Patientinnen mit HER2-negativem Mammakarzinom und ausgedehntem Lymphknotenbefall (≥ 4 Lymphknoten), aber ohne Organbefall, könnte das dosisdichte ETC-Regime mit Epirubicin, Paclitaxel, Cyclophosphamid, das alle zwei Wochen mit G-CSF-Support appliziert wird, eine neue Therapieoption sein. Darauf weisen die Ergebnisse einer multizentrischen Phase-III-Studie der AGO hin. Ausgewertet waren die Daten von 1.255 Patientinnen. Im Kontrollarm hatten die Patientinnen eine konventionell dosierte Chemotherapie mit Epirubicin/Cyclophosphamid gefolgt von Paclitaxel (EC-T), alle drei Wochen, erhalten.

Die Patientinnen, von denen 42% bereits zehn und mehr befallene Lymphknoten hatten, überlebten unter dem dosisdichten Regime signifikant länger und blieben signifikant länger ohne Rezidiv, erläuterte Volker Möbus, Frankfurt/Main. Nach fünf Jahren waren noch 82% der ETC-Patientinnen am Leben (vs. 77%, p = 0,0285) und 70% ohne Rezidiv (vs. 62%, p = 0,0016). – Trotz einer deutlich erhöhten Hämatotoxizität (p < 0,0001) im ETC-Arm, inkl. einer höheren Rate an febrilen Neutropenien (7 vs. 2%) kam zu keinen therapiebedingten Todesfall. Dosisreduktionen waren selten, über 80% der Patientinnen erhielten die geplante Zyklenzahl [Abstract #43].Sinnvoll: Trastuzumab und Aromatasehemmer kombinieren. Die Ergebnisse der TAnDEM-Studie zeigen bei 208 postmenopausalen Patientinnen mit HER2-positivem, hormonsensiblem metastasiertem Mammakarzinom, dass die Kombination Aromatasehemmer Anastrozol plus Trastuzumab wirksamer ist als die alleinige endokrine Behandlung, erläuterte John Mackey vom Krebsinstitut in Edmonton, Kanada. Unter der Kombinationstherapie blieben die Patientinnen doppelt so lange (4,8 vs. 2,4 Monate) und damit statistisch signifikant länger ohne erneute Tumorprogression (p = 0,0016) (Grafik 2). Fast 15% der Patientinnen blieben unter der Kombination zwei Jahre und länger ohne Rezidiv, sodass der Beginn der Chemotherapie deutlich hinausgeschoben wurde. Trotz Cross-over zeigte sich ein Überlebensvorteil zugunsten der mit Anastrozol/Trastuzumab behandelten Patientinnen. Sie überlebten im Median deutlich über zwei Jahre (28,5 vs. 23,9 Monate; p = 0,325). Mackey bewertete die Kombination als gut verträglich. Im Vordergrund standen Fatigue und gastrointestinale Beschwerden, die sich klinisch handhaben ließen [Abstract #3].

Rezidive per Impfung verhindern?
George Peoples vom Cancer Vaccine ­Development Laboratory in Bethesda/USA, präsentierte erste Studienergebnisse mit einem Impfstoff gegen Brustkrebsrezidive bei Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom mit und ohne Lymphknotenbefall. Es handelt sich dabei um den anti-HER2-Impfstoff E75, ein Peptid aus der extrazellulären Domäne von HER2. Alle Patientinnen waren bei Studienbeginn krankheitsfrei. Bei guter Verträglichkeit der Impfung kam es bei allen geimpften Frauen zu einem raschen immunologischen Ansprechen innerhalb der ersten vier Monate. Nach 20 Monaten waren noch 92,5% der geimpften und 77% der nicht geimpften Frauen krankheitsfrei. Nach 24 Monaten lag die Rezidivrate der geimpften Frauen um fast die Hälfte niedriger als in der Kontrollgruppe (8,3 vs. 16%). Trotz des deutlichen Unterschieds wurde allerdings keine statistische Signifikanz erreicht (p < 0,07). Peoples führt dies auf die relative kleine Fallzahl und die insgesamt geringe Anzahl an Rezidiven zurück. Der prophylaktische Einsatz der Peptid-Vakzine ist laut Peoples eine viel versprechende Option, die in einer randomisierten Phase-III-Studie weiter validiert werden sollte [Abstract #4].

Prognosefaktor Nanometastasen
Nanometastasen sind kleinste isolierte Tumorzellen (≤ 0,2 mm) im Vergleich zu den etwas größeren Mikrometastasen (0,3–2,0 mm). Untersuchungsergebnisse aus Italien zeigen, dass Nanometastasen bei Patientinnen mit Mammakarzinom bereits frühzeitig vorhanden sein können und – ebenso wie Mikrometastasen – das Metastasierungsrisiko signifikant erhöhen (p = 0,00019). Die Autoren schlagen vor, den Nachweis von Nanometastasen in das pathologische Staging der TNM-Klassifikation aufzunehmen. Für die Untersuchung waren 6.676 Lymphknoten nachuntersucht worden, u. a. von 377 Patientinnen, die der Pathologe als pN0 – kein Lymphknotenbefall – eingestuft hatte. Alle 702 Frauen waren acht Jahre nachuntersucht worden [Abstract #25].

Weniger HRT, weniger Brustkrebs?
Im Jahr 2003 waren in den USA 7% weniger Frauen mit Brustkrebs diagnostiziert worden als noch 2002. Besonders deutlich war die Abnahme mit 12% in der Altersgruppe der 50–69-jährigen Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs. Eventuell hängt dies damit zusammen, dass 2002 die Ergebnisse der „Women’s Health Initiative (WHI)“-Studie vorgestellt wurden, wonach unter kombinierter Hormonersatztherapie (HRT) ein erhöhtes Risiko für ein invasives Mammakarzinom besteht. Dies hatte zur Folge, dass viele Frauen die HRT absetzten bzw. gar nicht erst begannen, erläuterte Peter Ravdin, vom MD Anderson Krebszentrum in Houston/USA.

Der einzige plausible Grund für den bislang deutlichsten Rückgang der Brustkrebsinzidenz innerhalb eines Jahres ist laut Ravdin die seltener durchgeführte HRT. Aus Untersuchungen ist bekannt, so Ravdin, dass ­Östrogenrezeptor-positive Tumoren aufhören zu wachsen, wenn ihnen die Hormonzufuhr ­entzogen wird. Ravdin betonte, dass es nicht um das Entstehen neuer Karzinome geht, sondern um bereits vorhandene, klinisch noch unauffällige Karzinome, denen die Hormonzufuhr abgeschnitten wird. Es sei daher durchaus möglich, dass zwischen der HRT und der verminderten Brustkrebsinzidenz ein kausaler Zusammenhang bestehe [Abstract #5]. bp

Bericht vom 29th Annual San Antonio Breast Cancer Symposium 2006 (SABCS) vom 14.–17. Dezember 2006 in San Antonio/Texas, USA. .[Im Focus Onkologie 2007; 10(1-2): 59]

 
mk, BSMO, 30. März 2007


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