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Wie Sterbende leiden

  

Leiden ist subjektiv und individuell und resultiert aus der empfundenen Bedrohung des eigenen biologischen, sozialen oder psychologischen Seins. Obwohl es in der Pflege tödlich Erkrankter ein zentrales Thema ist, wurden die Ursachen des Leidens wenig erforscht.

Keith G. Wilson et al. untersuchten das Leidensempfinden von 381 Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung. In persönlichen semi-strukturierten Interviews wurden die Patienten nach physischen Symptomen, sozialen Problemen, psychologischen und existenziellen Nöten befragt. Unter anderem wurden Sie direkt gefragt, ob sie leiden. Grundlage der Interviews war eine 22-Punkte-Version des Structured Interview of Symptoms and Concerns (SISC). Rund die Hälfte der Befragten (49,3%) charakterisierte die Erfahrung nicht als Leiden, 24,9% gaben einen minimalen oder milden Leidensdruck an (Score 1–2 auf einer 6-Punkte-Skala). 98 Teilnehmer (25,7%) berichteten, dass sie erheblich litten (Score 3–6), 30 davon schwer oder extrem (Score 5 bzw. 6). Diese Patienten gaben für alle angesprochenen Symptome und Nöte häufiger an, stark belastet zu sein. Am deutlichsten korrelierten allgemeine Unpässlichkeit, physische Schwäche, Schmerzen und Depressionen mit einem hohen Leidens-Score. Die frei formulierten Patientenberichte ergaben eine abweichende Gewichtung: Auf physischen Problemen basierte demzufolge das Leiden von 49,5% der Patienten, auf psychologischen, existenziellen und sozialen Nöten das von 14,0, 17,7 bzw. 18,8%. 53,1% der Patienten mit großem Leidensdruck (vs. 14,5% mit geringem Leidensdruck) erfüllten die Diagnosekriterien für depressive oder Angsterkrankungen, sie waren jünger und höher gebildet.

Fazit: Nicht alle terminal Kranken leiden, insbesondere wenn sie adäquat palliativ gepflegt werden, das ist eine wichtige Erkenntnis für die Patientenberatung. Für die Leidenden stehen oft physische Symptome im Vordergrund, aber auch psychologischer Schmerz, Existenznöte und Sorgen bezüglich des sozialen und familiären Umfelds. Betreuende, die ihre Patienten gezielt zu ihrem Leidensgefühl befragen, selbst wenn dies direkt und mit einfachen Worten geschieht, eröffnen sich die Möglichkeit die Krankheitserfahrung des Patienten zu verstehen. ish

Wilson KG et al. Suffering with advanced cancer. J Clin Oncol 2007; 25: 1691–7. [Im Focus Onkologie 2007; 10(9): 36]
 
mk, BSMO, 21. Dezember 2007


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