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Therapie nach der inneren Uhr

  

Bei vielen Medikamenten ist es nicht egal, wann man sie einnimmt. Ähnliches scheint auch für Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie zu gelten. Die EORTC Chronotherapy Group hat sich eigens diesem Thema gewidmet und eine multizentrische, randomisierte Vergleichsstudie ins Leben gerufen.

Der Mensch lebt zweifelsohne nach seiner inneren Uhr. Das schließt auch die Aktivität seiner Stoffwechselprozesse ein. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es ebenfalls einen Einfluss hat, zu welchem Zeitpunkt im zirkadianen Rhythmus Zytostatika im Laufe einer Chemotherapie gegeben werden. Zwei frühere randomisierte Studien haben bereits gezeigt, dass eine Ausrichtung an der inneren Uhr die Verträglichkeit und auch die Antitumor-Aktivität der Substanzen beim metastasierten kolorektalen Karzinom beeinflussen kann. Eine multizentrische randomisierte Studie der Phase III sollte diese Ergebnisse bestätigen.

Dazu wurden 564 Patienten an 36 Institutionen in zehn Ländern randomisiert. Die Patienten der chronoFLO4-Gruppe erhielten an vier Tagen eine chronomodulierte Infusion von Fluorouracil, Folinsäure und Oxaliplatin. Die Patienten im FOLFOX2-Arm bekamen dagegen an zwei Tagen eine konventionelle Therapie mit denselben Substanzen. Die Patienten wurden alle zwei Wochen behandelt.

Das mediane Überleben betrug in der chronoFLO4-Gruppe 19,6 Monate und unter FOLFOX2 18,7 Monate. Die wichtigsten dosislimitierenden Toxizitäten waren Diarrhö in der chronoFLO4-Gruppe und Neutropenie in der Kontrollgruppe.

Unter den prognostischen Faktoren für das Überleben erwies sich das Geschlecht als einziger wichtiger Faktor. Denn bei Frauen wurde das Risiko für einen früheren Tod unter chronoFLO4 im Vergleich zu FOLFOX2 um 38% erhöht. Die medianen Überlebenszeiten betrugen 16,3 bzw. 19,1 Monate. Bei Männern dagegen senkte die Chronotherapie das Todesrisiko um 25% gegenüber FOLFOX2; die medianen Überlebenszeiten lagen bei 21,4 bzw. 18,3 Monaten.

Fazit: Beide Regimes erzielten ähnliche mediane Überlebenszeiten von über 18 Monaten mit einer akzeptablen Toxizität. Das chronomodulierte Regime zeigte nur für Männer einen Überlebensvorteil gegenüber dem FOLFOX2-Regime. Die starke Abhängigkeit des optimalen Chemotherapie-Fahrplans vom Geschlecht zeigt, dass noch weitere Grundlagenforschung zur inneren Uhr von Patienten in die klinische Forschung zur Krebstherapie integriert werden muss. be

Giacchetti S et al. Phase III trial ­comparing 4-day chronomodulated ­therapy versus 2-day conventional ­delivery of fluorouracil, leucovorin, and oxaliplatin as first-line chemotherapy of metastatic colorectal cancer: The Euro­pean Organisation for Research and Treatment of Cancer Chronotherapy Group. J Clin Oncol 2006; 24: 3562–9. [Im Focus Onkologie 2006; 9(12): 32]

 
rw, BSMO, 04. Februar 2007


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