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Mehr Lebensqualität durch „Epo-Doping“?

  

Viele unheilbar Krebskranke, die eine myelosuppressive Chemotherapie ­erhalten, rutschen in eine Anämie. Aus der Behandlung solcher Patienten ist Erythropoetin nicht mehr wegzudenken. Trotzdem interessant zu sehen, was eine Epo-Spritze pro Woche ihnen wirklich bringen kann.

Zu dieser Frage gibt es eine – bereits 1998 initiierte – plazebokontrollierte Doppelblindstudie, die 344 unheilbar Krebskranke mit Anämie unter myelosuppressiver Chemotherapie einschloss (Hämoglobin < 11,5 g/dl bei Männern, < 10,5 g/dl bei Frauen, im Mittel 9,5 g/dl). Randomisiert erhielten sie Epoetin alpha (40.000 IE s.c., bei nicht ausreichendem Ansprechen nach einem Monat 60.000 IE) einmal wöchentlich für 16 Wochen oder Plazebo. Bei 330 Patienten war eine Auswertung zur Wirksamkeit, bei 305 auch zur Lebensqualität möglich.

Bei den 166 Patienten der Epoetin-Gruppe nahm der Hb-Wert im Mittel um 2,8 g/dl zu, bei den 164 Plazebopatienten um 0,9 g/dl – ein signifikanter Unterschied. Im Laufe der Studie erreichten 73% der mit Epoetin behandelten Patienten einen Hb-Anstieg ≥ 2 g/dl – ebenfalls signifikant mehr als in der Plazebogruppe mit 32%. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass in der Plazebogruppe erheblich mehr Patienten Bluttransfusionen bekamen als in der Epoetin-Gruppe (40 vs. 25%). Durch die Epo-Spritzen konnte der Transfusionsbedarf um rund 50% reduziert werden (127 vs. 256 Einheiten).

Eine signifikante Zunahme der Lebensqualität insgesamt durch die Behandlung mit Epoetin war nicht nachweisbar. Bei einem Anstieg des Hb-Werts ≥ 2 g/dl, ob in der Epoetin- oder der Plazebo-Gruppe, verbesserte sich aber der FACT(Functional Assessment of Cancer Therapy)-Fatigue-Score im Vergleich zu Non-Respondern deutlich.

Fazit: Bei Tumorpatienten mit Anämie unter Chemotherapie hebt die Gabe von Epoetin alpha einmal wöchentlich signifikant den Hb-Wert und verringert den Transfusionsbedarf. Enttäuschend vielleicht das Ergebnis in puncto Lebensqualität – aber sie wird bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren eben nicht nur durch die Anämie bestimmt. uwe

Witzig TE et al. Phase III, randomized, double-blind study of epoetin alfa compared with placebo in anemic patients receiving chemotherapy. J Clin Oncol 2005; 23: 2606–17. [Im Focus Onkologie 2005; 8(10): 49]

 
mk, BSMO, 19. Januar 2006


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