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Mukositis: Glutamin auch nach Transplantation?

  

Mehr als 80% der Empfänger hämatopoetischer Stammzellen ­leiden ­unter schwerer Mukositis, ein Nebeneffekt, der die Betroffenen stark schwächt. Bei Chemotherapie-induzierter Mukositis sind Glutamininfusionen hilfreich. Kann Glutamin auch die Mukositis nach Stammzelltransplantation verringern?

Glutamin ist nicht generell eine essenzielle Aminosäure, wohl aber für Enterozyten. Verletzungen, Stress, Radio- oder Chemotherapie führen zu Glutaminmangel, sodass in solchen Situationen die Glutamingabe sinnvoll sein könnte. Bei Chemotherapie erwies sie sich tatsächlich als hilfreich, und in der vorliegenden Doppelblindstudie sollte bei 120 Kindern mit Leukämie, Lymphom, Neuroblastom oder anderen soliden Tumoren oder nichtmalignen Erkrankungen getestet werden, ob Glutamin auch im Verlauf einer Stammzelltransplantation (allogen oder autolog, Knochenmark oder Blut) die Mukositis lindern kann.

Die Kinder der Verumgruppe erhielten zweimal täglich Glutamin, die der Kontrollgruppe Glycin. Beide Aminosäuren wurden in Dosierungen von jeweils 2 g/m2, maximal 4 g, in 500 ml Flüssigkeit oral verabreicht. Die Behandlung erfolgte bis Tag 28 nach der Transplantation oder bis zur Entlassung.

Der mittlere Mukositis-Score (nach Walsh) lag bei 3,0 unter Glutamin und bei 3,9 unter Glycin, ein Unterschied, der nicht signifikant war. Trotzdem dürfte die Glutamingabe hier sinnvoll sein, weil sich ein signifikanter Unterschied in der Zahl der Tage zeigte, an denen intravenöse Narkotika (12,1 vs. 19,3 Tage) bzw. eine vollständig parenterale Ernährung erforderlich waren (17,3 vs. 27,3 Tage). Glutamin scheint keine schweren Toxizitäten zu verursachen.

Die fehlende Signifikanz lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass in der Plazebogruppe signifikant mehr Kinder positiv für Herpes-simplex-Viren waren, die die Schwere der Mukositis beeinflussen.

Fazit: Glutamin reduziert vermutlich die Schwere der Mukositis. So benötigten die mit Glutamin behandelten Kinder seltener Morphin oder eine vollständig parenterale Ernährung. Daher sollte in Betracht gezogen werden, die orale Glutaminsupplementation als Routinebestandteil der supportiven Behandlung bei Empfängern hämatopoetischer Stammzellen durchzuführen. jn

Aquino VM et al. A double-blind randomized placebo-controlled study of oral glutamine in the prevention of mucositis in children undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A Pediatric Blood and Marrow Transplant Consortium study. Bone Marrow Transplantation 2005; 36: 611–6. [Im Focus Onkologie 2006; 9(4): 38]
 
mk, BSMO, 23. Mai 2006


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