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Vitamin E: Endgültig aus dem Rennen?
Trotz positiver experimenteller und epidemiologischer Daten konnten kontrollierte Studien bisher nicht belegen, dass Vitamin E vor Krebs oder kardiovaskulären Erkrankungen schützt. Ob dies auf zu kurzen Studienzeiträumen beruht, sollte die Verlängerung der HOPE-Studie zeigen.
An der HOPE-Studie (Heart Outcomes Prevention Evaluation) nahmen 9.541 Patienten über 55 Jahre mit hohem kardiovaskulären Risiko oder Diabetes mellitus teil. Sie erhielten während durchschnittlich 4,5 Jahren 400 IU/d natürliches Vitamin E vs. Plazebo (bzw. Ramipril vs. Plazebo). 3.994 der Patienten setzten die Studienmedikation (Vitamin E vs. Plazebo) im direkt anschließenden Studienteil HOPE-TOO (HOPE-The Ongoing Outcomes) fort.
Während der durchschnittlich siebenjährigen Behandlungsdauer wurden keine Differenzen in den primären Zielparametern beobachtet: In der Vitamin-E-Gruppe erkrankten 11,6% der Patienten an Krebs, 3,3% starben daran und 21,5% entwickelten schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen, unter Plazebo waren es 12,3, 3,7 bzw. 20,6%. Die Teilnehmer, die Vitamin E erhielten, hatten jedoch ein größeres Risiko (RR), an einer Herzinsuffizienz zu erkranken bzw. deswegen stationär eingewiesen zu werden (RR 1,13 bzw. 1,21).
Fazit: Die tägliche Gabe von 400 IU Vitamin E über sieben Jahre reduzierte nicht die Zahl tödlicher und nicht-tödlicher Krebserkrankungen, schwerwiegender kardiovaskulärer Störungen oder Todesfälle bei Patienten mit Gefäßerkrankungen und Diabetes mellitus, aber u. U. das Herzinsuffizienzrisiko. Da eine Vitamin-E-Supplementation möglicherweise schadet und ein Nutzen nicht nachgewiesen werden konnte, sollte sie unterbleiben. Die HOPE-TOO-Studie mache endgültig die Aussichten auf einen größeren protektiven Effekt gegen atherosklerosebedingte Komplikationen und Krebs durch moderate Vitamin-E-Dosen zunichte, so Brown und Crowley in ihrem Editorial. Und sie unterstreiche erneut, dass Hypothesen, die auf biologischer Grundlagenforschung und epidemiologischen Beobachtungen beruhen, klinisch zu prüfen seien. Obwohl auch andere größere Studien keinen Nutzen von Vitamin E gegen Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen im Allgemeinen zeigen, sei aber ein günstiger Einfluss auf einzelne Krankheitsbilder, z.B. Lungen- und Prostatakarzinom, prüfenswert. ish
The HOPE and HOPE-TOO trial investigators Lohn E et al. Effects of long-term vitamin E supplementation on cardiovascular events and cancer. J Am Med Ass 2005; 293: 1338–87. Editorial: Brown B et al. Is there any hope for vitamin E? ibidem 1387–90. [Im Focus Onkologie 2005; 8(9): 44]
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mk, BSMO, 24. November 2005
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